Der „andere Gottesdienst“, 2.4.2017

Der „andere Gottesdienst“ war diesmal ganz anders. Nach einem phasenweise äußerst schrägen Vorspiel gingen der Pianist und die Saxofonistin​ verbal derart aufeinander los, dass der Pfarrer noch vor der Begrüßung erst mal die Beschädigung dieses „professionell ausgearbeiteten Gottesdienstes“ beklagen musste. Ja, dachten jene Besucher des Gottesdienstes, die es bemerkten: Wenn er wenigstens den Talar nicht schief zugeknöpft hätte, dann wäre er glaubwürdiger in seinen Ansprüchen.

Es war also ein sehr vergnüglicher Gottesdienst, bei dem viel gelacht wurde: „Abschied vom Perfektionismus“ lautete das Thema, und damit bewegte man sich im Reformationsjahr auf Martin Luthers Spuren. Denn er hatte sich aus den zwanghaften Gedanken befreit, mit denen er sich in seiner Mönchszelle gequält hatte, und war zum Schluss gekommen: „Sündige tapfer, aber glaube noch tapferer.“ Dazu passend konnte man aus dem Theaterstück des Tages lernen, dass ein Sprung in der Kaffeetasse nicht das nervös zelebrierte Date ruiniert. Deswegen schnell die Tassen zu vertauschen, wenn der Besuch kurz nicht hinsieht, ist also nicht nötig. Aber nicht einmal davon lässt sich die Liebe aufhalten.

Ein Zwischenfall war allerdings tatsächlich unbeabsichtigt: Dass wir unmittelbar vor dem Beginn kurzerhand von der Kirche in den Martin-Luther-Saal umzogen, da sich das E-Piano plötzlich davongemacht hatte. Für die kleine Gesprächsrunde zwischendrin war dieser Rahmen aber umso geeigneter.

Somit bewährte sich nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis: Sich auf die gute Beziehung zu verlassen – untereinander und zu unserem Gott – macht mehr Freude als in der Angst vor Pannen und Fehlern zu leben.

Fotos: Karla Kohl