Literaturgottesdienst zu Mascha Kaléko am 19. November

Leben und Werk der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko (1907 -1975) standen Mittelpunkt dieses Literaturgottesdiensts. Schon als junge Frau veröffentlichte Kaléko ihre Gedichte im Berlin der Weimarer Republik. Sie handeln von Erfahrungen, die jede und jeder kennt – von Liebe, Abschied und Einsamkeit, von Sehnsucht und von Traurigkeit. Mascha Kaléko wird über ihre Zeit in Berlin später sagen, dass es „ein paar leuchtende Jahre“ waren. 1938 emigriert sie mit ihrem Mann Chemjo Vinaver in die USA. Im Exil in New York entdeckt sie den Glauben für sich, setzt sich aber auch kritisch mit Gott auseinander. 1960 wandert das Ehepaar nach Jerusalem aus. Mascha wird nicht heimisch. Als ihr Sohn 1968 mit 31 Jahren und vier Jahre später ihr geliebter Mann sterben, ist sie sehr allein. Nach schwerer Krankheit geht ihr Leben am 21. Januar 1975 zu Ende.

Kalékos Gedichte trug Frau Hannah Kirchner vor. Die Musik im Gottesdienst kam von KMD Oliver Scheffels. Er ließ u.a. das Operetten-Lied „Berliner Luft“ von Paul Lincke aus dem Jahr 1904 und einen Auszug aus der Sinfonie Nr. 9 Aus der neuen Welt von Antonin Dvo´rák aus dem Jahr 1893 an der Gaston-Kern-Orgel erklingen. Das Gedicht „Rezept“ fasst die Lebenseinstellung von Mascha Kaléko zusammen:

Rezept

Jage die Ängste fort.  
Und die Angst vor den Ängsten.  
Für die Paar Jahre 
Wird wohl alles noch reichen. 

Sage nicht mein.  
Es ist dir alles geliehen.  
Lebe auf Zeit und sieh,  
Wie wenig du brauchst.  
Richte dich ein.  
Und halte den Koffer bereit.  

Es ist wahr, was sie sagen:  
Was kommen muss, kommt.  
Geh dem Leid nicht entgegen, 
Und ist es da,  
Sieh ihm still ins Gesicht.  
Es ist vergänglich wie ein Glück. 

Die Wunde in dir halte wach. 
Unter dem Dach im Einstweilen.  
Zerreiß deine Pläne. Sei klug 
und halte dich an Wunder. 

Sie sind schon lange verzeichnet 
Im großen Plan. 
Jage die Ängste fort.  
Und die Angst vor den Ängsten.  

Mascha Kaléko